Streuobstwiese – Ein regelmäßiger Baumschnitt erhält die Vitalität

Mitte April haben wir uns als Team nach Bochow, nahe Brandenburg an der Havel, begeben, wo von der Flächenagentur im Rahmen einer Kompensationsmaßnahme vor nun mehr 13 Jahren eine Streuobstwiese angelegt wurde. Im Laufe der Zeit ist sie auf über 200 Bäume und mehr als 40 verschiedene Sorten angewachsen. Im Team haben wir eine Expertin für Obstbäume und deren Pflege. Sie hat uns anhand mehrerer Beispiele gezeigt, wie Obstbäume fachgerecht gepflegt werden sollten. Dabei ging es sowohl um den richtigen Pflegeschnitt als auch um andere Themen wie die korrekte Baumanbindung, Verbissschutz, Baumscheibenpflege, Wässerung, Düngung, Sonnenschutz, Krankheiten und die Unternutzung.

Streuobstwiesen sind eine traditionelle Form des Obstbaus, die vor allem in Mitteleuropa weit verbreitet ist. Charakteristisch ist die Kombination aus hochstämmigen Obstbäumen verschiedener Arten und alten, robusten Sorten, die locker über eine Wiese verteilt stehen. Unter den Bäumen wird häufig Grünland bewirtschaftet, etwa durch Mahd oder Beweidung. Diese Form der Landnutzung gilt als besonders wertvoll für die Biodiversität: Streuobstwiesen bieten Lebensraum für bis zu 5.000 Tier- und Pflanzenarten, darunter viele Insekten, Vögel und seltene Wildkräuter.

Damit sind Streuobstwiesen eines der artenreichsten Biotope Mitteleuropas. Doch leider ist die Zahl der Streuobstwiesen sowie ihr Zustand in den letzten Jahrzehnten massiv zurückgegangen. Im Jahr 2023 wurden in zwölf Untersuchungsgebieten in Baden-Württemberg insgesamt 6.843 Obstbäume kartiert.Weniger als die Hälfte der Bäume (47 Prozent) wurde dabei als „vital“ eingestuft. Weiterhin konnte in dieser Untersuchung nachgewiesen werden, dass die Schnittpflege einen signifikanten Einfluss auf die Vitalität der Bäume nach den extremen Hitze- und Trockenheitsperioden der Jahre 2018, 2020 und 2022 hat.

Worauf man bei der Pflege von Streuobstwiesen besonders achten sollte

Für Nutzer und Bewirtschafter von Streuobstwiesen ist eine regelmäßige und fachgerechte Pflege entscheidend, um sowohl den ökologischen Wert als auch den Ertrag der Fläche zu erhalten und um die Bäume statisch fit zu machen für ein langes Baumleben. Eine der wichtigsten Maßnahmen ist der regelmäßige Pflegeschnitt der Obstbäume.

In Bochow haben wir den Zustand der Obstbäume begutachtet. (Foto: Flächenagentur/TC)

Darüber hinaus sind auch die Pflege der Baumscheibe, die Mahd der Wiese, ein effektiver Verbissschutz sowie eine regelmäßige Krankheitskontrolle und Wässerungsgänge essentiell. Zudem gewinnt der (wiederholte) Weißanstrich aufgrund der veränderten klimatischen Bedingungen zusammen mit der starken Sonneneinstrahlung immer mehr an Bedeutung. Denn die starke Sonneneinstrahlung führt zu Sonnenbrand und Rissen in der Rinde, über die wiederum Krankheiten eindringen können.

Ein regelmäßiger Jungbaumschnitt in den ersten 12 – 15 Jahren, gibt dem Baum die gewünschte Form und erspart später viel Schnittzeit und große (zum Teil tödliche) Wunden. Gerade in den ersten Jahren nach der Pflanzung ist ein Erziehungsschnitt notwendig, um eine stabile Kronenstruktur aufzubauen. Ist die Grundform erstmal angelegt, müssen später nur kleinere Korrekturschnitte vorgenommen werden.

Bleibt der Jungbaumschnitt dagegen lange aus, kann später nur noch schwer (und manchmal gar nicht mehr) korrigiert werden, weil die Wunden, die der Baum dabei erleiden würde, zu groß wären, um noch gut zu verheilen. Außerdem steigt die Gefahr, dass Äste in starken Fruchtjahren brechen. Weiterhin haben Krankheiten bei ungepflegten Kronen leichteres Spiel, denn in bestimmte Kronenbereiche dringt dann zu wenig Licht und Luft.

Später dienen Erhaltungs- und Verjüngungsschnitte dazu, die Vitalität des Baumes zu fördern, abgestorbene oder kranke Äste zu entfernen und für ausreichend Licht und Luft in der Krone zu sorgen.  Der Schnitt muss bei Jungbäumen und Altbäumen in der vegetationsfreien Periode erfolgen (mit wenigen Ausnahmen). Entgegen der landläufigen Meinung spielt Frost beim Schnittzeitpunkt keine Rolle, da sich der Baum in der Winterruhe befindet.

Baumscheiben freihalten erspart Wässerungsgänge und Düngung

Unter Anleitung einer Baumwartin erhielt dieser Obstbaum einen Pflegeschnitt. (Foto: Flächenagentur/TC)

Die Pflege der Baumscheibe spielt für das erwünschte Wachstum der Jungbäume die größte Rolle. Gerade in den ersten Jahren sollte die Baumscheibe von April bis Juli regelmäßig freigehackt werden. Die dort wachsenden Gräser und Beikräuter ziehen dem jungen Baum sonst zu viele Nährstoffe und Wasser ab, sodass sein Wachstum gehemmt wird. Darüber hinaus hilft eine freigehackte Baumscheibe auch gegen einen übermäßigen Wühlmausbefall und senkt den Wasserbedarf des Jungbaums.

Die Wässerungsgänge sind gerade in den ersten Jahren unerlässlich. Brandenburgs Böden leiden aufgrund des Klimawandels zunehmend unter Wasserknappheit, was sich natürlich auch auf den Streuobstwiesen bemerkbar macht. Vor allem auf Sandböden sind die Wässerungsgänge daher essentiell für das Überleben der Bäume.

Mit zu häufigen Wässerungen sollten die Bäume jedoch nicht verwöhnt werden, da sie ihre Wurzeln ansonsten zu oberflächlich ausbilden. Daher gilt die Faustregel lieber seltener (alle 2-3 Wochen) dafür dann sehr viel Wasser (40 – 100 Liter pro Baum) geben. Damit werden die Wurzeln zu einem tieferen Wachstum angeregt und sind schneller im Schichten- oder Grundwasser angelangt und die Bäume können sich früher selbst versorgen.

Streuobstwiesen benötigen Wiesenpflege und effektiven Verbissschutz

Die Wiesenpflege selbst spielt ebenfalls eine wichtige Rolle. Die ein- bis zweimalige Mahd mit Mahdgutabtrag pro Jahr oder durch Beweidung mit geeigneten Tierarten trägt zur Erhaltung der Artenvielfalt bei. Wichtig ist, den richtigen Zeitpunkt für die Mahd zu wählen: Eine späte erste Mahd ermöglicht es vielen Pflanzen, zur Blüte zu kommen und Samen zu bilden. Außerdem haben wiesenbrütende Vogelarten die Möglichkeit ihre erste Brut unbeschadet durchzubringen. Das Mahdgut sollte abgeräumt werden, um eine Nährstoffanreicherung zu vermeiden.

Auch der Schutz der Bäume vor Schäden ist ein wichtiger Aspekt. Junge Bäume sollten durch Verbissschutzmaßnahmen vor Wildtieren geschützt werden, beispielsweise durch einen Stammschutz und Zäune. In Bochow sind die Bäume durch Dreiböcke mit Brettern vor dem Verbiss durch Wild geschützt. Eine weitere Möglichkeit ist die sogenannte „Normannische Korsette“, ein Verbissschutz aus Metall, der sich dank eines Aufsatzes auch für die Beweidung mit Großvieh eignet und sich für die Pflege öffnen lässt.

Zudem ist es sinnvoll, regelmäßig auf Krankheits- und Schädlingsbefall zu kontrollieren, um frühzeitig gegensteuern zu können. Dabei sollte möglichst auf umweltschonende Methoden zurückgegriffen werden. Nicht zuletzt gehört auch die Nachpflanzung alter oder abgestorbener Bäume zur nachhaltigen Pflege einer Streuobstwiese. Dabei empfiehlt es sich, regionale und robuste, alte Sorten zu wählen, die an die lokalen Bedingungen angepasst sind.