Mit großer Betroffenheit haben wir die traurige Nachricht erhalten, dass Frau Prof. Dr. Beate Jessel im April dieses Jahres viel zu früh verstorben ist.
Beate Jessel war als Wissenschaftlerin, Hochschullehrerin und Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz über viele Jahre eine prägende Persönlichkeit des Naturschutzes in Deutschland. Mit großer Leidenschaft und hoher fachlicher Kompetenz brachte sie sich in internationale Diskurse ein; zuletzt war sie in der Schweiz tätig. Ihr beeindruckender beruflicher Weg und ihre vielfältigen fachlichen Verdienste wurden bereits in mehreren Nachrufen aus Hochschulen, Behörden und Verbänden gewürdigt.
Für Brandenburg hat sie während ihrer Zeit an der Universität Potsdam, wo sie den Lehrstuhl für Landschaftsplanung innehatte, wichtige Impulse gesetzt. Das betrifft insbesondere die Flächenagentur Brandenburg GmbH und den NaturSchutzFonds Brandenburg. Sie war Mitglied im Beirat bei der Obersten Naturschutzbehörde, im Stiftungsrat des NaturSchutzFonds Brandenburg und im Naturschutzbeirat der Landeshauptstadt Potsdam.
Mit ihrem Engagement hat sie auch die Entwicklung der Flächenagentur Brandenburg GmbH nachhaltig geprägt.
Besonders wichtig war ihr die Verbindung von wissenschaftlicher Ausbildung und praktischer Verantwortung für Natur und Landschaft. Sie stärkte den Stellenwert von Naturschutz und Landschaftsplanung im Studiengang Geoökologie an der Universität Potsdam und motivierte zahlreiche Studierende, ihren beruflichen Weg im angewandten Naturschutz zu finden. Viele Kolleginnen und Kollegen in der Flächenagentur tragen diese Impulse bis heute weiter und setzen sie in die Praxis um.
Durch die wissenschaftliche Begleitung des Erprobungs- und Entwicklungsvorhabens (E+E-Vorhaben) „Kulturlandschaft Mittlere Havel“ wurden unter ihrer Leitung für das Thema „Flächenagenturen und Flächenpools“ wesentliche fachliche Standards erarbeitet. Sie unterstützte die Gründung der Flächenagentur maßgeblich und blieb ihr und etwas später dem Bundesverband der Flächenagenturen in Deutschland (BFAD) auch sehr persönlich engagiert verbunden.
Wir behalten Beate Jessel als einen Menschen in Erinnerung, der viel bewegt hat und hohe Ansprüche an sich selbst und andere stellte. Ihrem Tempo zu folgen und ihren Erwartungen gerecht zu werden, war nicht immer leicht — zugleich verstand sie es aber, Menschen zu motivieren und zu inspirieren, sich mit ganzer Kraft für den Schutz und die Entwicklung von Natur und Landschaft einzusetzen. Sie war bemerkenswert unvoreingenommen und ehrlich. Ihr außergewöhnliches Gedächtnis und ihr beeindruckendes Fachwissen waren bewundernswert. Wenn es ihre Zeit erlaubte, war sie am liebsten draußen unterwegs — in Projektgebieten, in Gummistiefeln, aufmerksam, tatkräftig und voller Energie. Einige Arbeitsbeziehungen und Freundschaften, die während ihrer Potsdamer Zeit entstanden sind, halten bis heute und so war sie in mehrfacher Hinsicht nachhaltig prägend — fachlich wie menschlich.
Unsere Anteilnahme gilt ihren Angehörigen, Freunden und Kollegen. Wir werden Beate Jessel in dankbarer Erinnerung behalten.
Anne Schöps und Martin Szaramowicz
Flächenagentur Brandenburg GmbH
