Kann das weg? Kommt drauf an! Abriss und ökologische Aufwertung in Golzow

Die Flächenagentur Brandenburg führt nicht nur Extensivierungen von Ackerflächen, Pflanzungen von Hecken und Streuobstwiesen und Erstaufforstungen durch. Zu unserem Kerngeschäft zählen auch Abriss- und Entsiegelungen.

Diese Art der Projekte ist besonders herausfordernd, denn man kann vorab nie genau wissen, was einen erwartet. Wie umfangreich sind die Abrissarbeiten? Welche bedrohten Arten siedeln inzwischen auf dem verlassenen Gelände? Treten bei den Bodenarbeiten noch weitere Schadstoffbelastungen zu Tage, die aufwendig entsorgt werden müssen?

Ehemalige Schweinezuchtanlage in Golzow abgerissen

Die ehemalige Schweinezuchtanlage in Golzow vor dem Abriss (Foto: FT/Flächenagentur).

Die ehemalige Schweinezuchtanlage in Golzow vor dem Abriss (Foto: FT/Flächenagentur).

Ein gutes Fallbeispiel für ein solches Abriss- und Entsiegelungsprojekt findet sich in Golzow. Dort begleitete die Flächenagentur Brandenburg den Prozess der Entsiegelung und naturschutzgerechten Aufwertung einer ehemaligen Schweinezuchtanlage. Die Anlage wurde noch bis 2015 genutzt und stand dann viele Jahre leer.

Die Eigentümer traten daraufhin mit dem Wunsch des Abrisses an die Flächenagentur heran. Erste Flächenbegehungen fanden bereits im Jahr 2021 statt. Die konkrete Planung für den Abriss begann im Sommer 2024, die Umsetzung erfolgte dann von November 2025 bis Juni 2026.

Ziel des Vorhabens war die Entsiegelung sowie die Umgestaltung der versiegelten Flächen hin zu einem naturnahen Lebensraum. Dabei wurden Stall-, Wirtschafts- und Sozialgebäude abgerissen und versiegelte Wege- und Lagerflächen freigelegt. Güllegruben und Tieffahrsilos wurden entfernt und teils in ein Feuchtbiotop umgestaltet. Insgesamt konnten durch die Abrissarbeiten rund 1,25 Hektar Fläche entsiegelt werden.

Gefährdete Arten vor Abriss fachkundig umgesiedelt

Eine junge Ringelnatter wurde in einen nahegelegenen Lebensraum gebracht (Foto: FT/Flächenagentur).

Eine junge Ringelnatter wurde in einen nahegelegenen Lebensraum gebracht (Foto: FT/Flächenagentur).

Die Arbeiten erfolgten in enger Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde (UNB) und der Abfallbehörde. Vorab wurde ein artenschutzfachliches Konzept erarbeitet. Auf der Fläche vorhandene Zauneidechsen mussten temporär in angrenzende Flächen umgesiedelt werden. Dies geschah in Absprache mit der UNB durch eine fachkundige Herpetologin.

Auch andere Arten wie Ringelnatter und Blindschleiche sowie weitere Amphibien wurden in nahegelegene passende Lebensräume verbracht. Zur Kompensation der temporären Lebensraumveränderung wurden zusätzliche Habitatstrukturen wie Totholzhecken und winterfeste Eidechsenhabitate angelegt. Der komplette Maßnahmenbereich wurde durch einen Reptilienschutzzaun gesichert, um eine Rückwanderung während der Arbeiten zu verhindern.

Abriss und ökologische Aufwertung in einem Projekt

Die Abrissarbeiten in Golzow liefen von November 2025 bis Juni 2026 (Foto: FT/Flächenagentur).

Die Abrissarbeiten in Golzow liefen von November 2025 bis Juni 2026 (Foto: FT/Flächenagentur).

Auf der Fläche wurden drei Nester der Kahlrückigen Waldameise gefunden. Diese wurden in Absprache mit der UNB von einer Fachkraft in nahe Waldgebiete umgesiedelt. Ersatzquartiere für Brutvögel und Fledermäuse wurden ebenfalls bereitgestellt.

Zusätzlich wurden einige Gruben zu Eidechsenburgen umgestaltet und die Tieffahrsilos in ein Feuchtbiotop verwandelt. Dazu musste zuerst der Beton der Silos aufgebrochen und entfernt werden. Anschließend wurde der Boden zunächst gelockert, bevor eine wasserhaltende Schicht Ton und Lehm aufgetragen und verdichtet wurde. Schließlich konnte so ein Kleingewässer entstehen, das Lebensraum für viele Arten bietet.

Nach den Abriss- und Entsiegelungsarbeiten sieht es in Golzow so aus (Foto: FT/Flächenagentur).

Nach den Abriss- und Entsiegelungsarbeiten sieht es in Golzow so aus (Foto: FT/Flächenagentur).

 

 

Um die Verbreitung heimischer Flora zu fördern, blieb ein zentraler Bereich der Fläche mit besonders hoher Blütenvielfalt unberührt. Über den über Jahre unbefahrenen Betonplatten hatte sich bereits eine dünne Humusauflage gebildet, die der Nährboden für eine blütenreiche Flora magerer Standorte bildete. Dieser Bereich dient als Nahrungsgrundlage für Insekten (die wiederum Nahrung für die Zauneidechsen sind) und unterstützt die langfristige Rückentwicklung ökologisch wertvoller Habitate auf der neu gestalteten Fläche.

Durch die zurückgewonnene Bodenfläche, die Anlage von Habitatstrukturen und die Umgestaltung der Tieffahrsilos zu einem Feuchtbiotop entstand ein attraktiver Lebensraum für Insekten, Reptilien und Amphibien. Das Projekt demonstriert eindrucksvoll, wie Abriss, Entsiegelung und ökologische Aufwertung Hand in Hand gehen können, und zeigt, wie regulatorische Vorgaben durch planungs- und umweltgerechte Umsetzung erfüllt werden.